Geschichte
Das Dorf Reinach wird 1036 erstmals in der Form "Rinacha" schriftlich erwähnt. Besiedelt war die Gegend jedoch schon viel früher, nämlich seit der Hallstattzeit. Im Mittelalter waren nacheinander die Lenzburger, Kyburger und Habsburger Landes- und wichtigste Grundherren. Eine grosse Rolle spielten aber auch der Lokaladel der Herren von Rynach und das Stift Beromünster (Zehntherr). Mit den beiden Nachbardörfern Menziken und Pfeffikon war Reinach lange eng verbunden. Zwar wurde Menziken um 1570 zur eigenen Gemeinde (Pfeffikon sogar früher), aber bis ins 19. Jahrhundert hinein bestellten die Bauern der drei Dörfer gemeinsame Ackerfelder. Daran änderte auch die seit 1415 das Tal durchschneidende Kantonsgrenze nichts, welche das luzernerische Pfeffikon vom bernischen Reinach trennte. 1528 wurde auch das kirchliche Verhältnis mit dem benachbarten Pfeffikon gelöst, und bereits im folgenden Jahr baute Reinach eine eigene Kirche, das erste von Anfang an reformierte Gotteshaus der Schweiz.
Reinach hatte in der Region stets eine Zentrumsfunktion und war in bernischer Zeit der Sitz eines Untervogts. Untervögte aus dem Hauri-Geschlecht errichteten im 17. Jahrhundert
die beiden markanten Schneggen, die 1985/86 restauriert worden sind. Noch etwas älter ist das Kornhaus, in dem heute die Gemeindeverwaltung untergebracht ist und welches 1989 ebenfalls renoviert wurde. Seinen Aufschwung verdankt Reinach zu einem guten Teil der industriellen Entwicklung. Aus dem einst fast reinen Bauerndorf wurde im 18. Jahrhundert mit Menziken zusammen ein Mittelpunkt der Baumwollverarbeitung im Berner Aargau. Als das Textilgewerbe im Oberwynental mit der zunehmenden Mechanisierung nicht mehr Schritt halten konnte (Wasserkraftmangel), wurde es um 1850 durch die Tabakindustrie ersetzt. Um dieselbe Zeit erfolgte auch der erste Schritt zur Metallindustrie. Man begann mit der Herstellung von Kleiderhaften, und später entwickelten sich daraus die beiden hier ansässigen grossen Drahtwerke.
Seit 1962 besteht in Reinach ein grosses Aluminiumpress- und Ziehwerk, in dem Aluminiumprodukte in den verschiedenen Fabrikationsformen entstehen. Noch weitere leistungsfähige Industriebetriebe, unter anderem der Geruchs- und Geschmacksstoff- sowie der Werkzeugbaubranche, haben in Reinach ihre Betriebsstätten und tragen zu einer gesunden wirtschaftlichen Struktur der Gemeinde bei. Reinach bietet heute viele Arbeitsplätze, und mit der Zustimmung der Gemeindeversammlung zum Überbauungsplan im Industriegebiet Moos wurde 1989 der Grundstein für weitere Industriebetriebe gelegt. In den letzten Jahrzehnten entstanden aus den ehemals einfachen Krämerläden neuzeitlich eingerichtete leistungsfähige Geschäftshäuser. Zahlreiche Dienstleistungsbetriebe wie Lokalbanken, Grossbanken und Versicherungen siedelten sich in Reinach an. 1987 konnte das Einkaufszentrum Bärenmarkt im Oberdorf eröffnet werden, welches - wie auch die zahlreichen umliegenden Geschäfte - zu einem Anziehungspunkt mit regionaler Bedeutung wurde. Das Unterdorf erlebte in den vergangenen fünf Jahren die markanteste bauliche Veränderung. Neue Einkaufsgeschäfte entstanden und als direkte Folge davon viele neue Wohnungen. Im Unterdorf ist buchstäblich neues Leben eingekehrt. Es profitiert von den guten Verkehrsanbindungen, dem breitgefächerten Einkaufsangebot und der Nähe zu Schulen und Einrichtungen der Freizeit.
Zu einem eigentlichen Problem wurde in den 90er Jahren die Wyna. Obwohl daran im 20. Jahrhundert schon verschiedene Korrektionen vorgenommen wurden, überfluteten am 19. Mai 1994 riesige Wassermassen grosse Teile des Dorfs. Nur zwei Jahre später wurde das Oberdorf erneut stark überschwemmt, und es entstanden Millionenschäden an den Gebäuden. Verschiedene bauliche Massnahmen sind danach realisiert worden und sollen verhindern, dass es zu weiteren Überschwemmungen kommt.
Nach einer Bauzeit von etwas mehr als 2 Jahren konnte im Frühling 2003 die WSB-Verlegung Reinach-Menziken abgeschlossen und der gefährliche Betrieb der WSB auf der Kantonsstrasse durch die Trennung von Schiene und Strasse behoben werden. Die Entfernung der WSB von der Strasse wurde zum Anlass genommen, ein Projekt zur Neugestaltung der Hauptstrasse K 242 zu erarbeiten. Mit dem Kreisel Spitalstrasse und dem Abschnitt Unterdorf konnten zwei Teilstücke bereits realisiert werden. Die Weiterführung beim Abschnitt Central ist auf gutem Weg.
Reinach bemüht sich um ein gutes Schulwesen. Zahlreiche Quartierkindergärten sorgen für die freiwillige Vorschulzeit und ermöglichen kurze Schulwege. Während zwischen 1965 und 1985 die Schülerzahl stabil blieb, wuchs sie danach explosionsartig auf über 1'200 Mädchen und Knaben an. 1998/99 wurde zur Lösung der Schulraumnot im Gebiet Breite ein Quartierschulhaus realisiert. Die Kaufmännische Berufsschule konnte im Frühling 1997 im Oberdorf neue, grosszügige Räumlichkeiten beziehen, und sich dadurch die Weiterexistenz für die Zukunft sichern.
Die Gemeinden Burg, Menziken, Pfeffikon und Reinach haben im November / Dezember 2005 der Ausarbeitung einer Machbarkeitsstudie für einen Zusammenschluss dieser vier Gemeinden zugestimmt. Für die Erarbeitung der Machbarkeitsstudie ist das Jahr 2006 vorgesehen. Den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern wird 2007 der Zusammenlegungsvertrag zur Beschlussfassung an der Gemeindeversammlung vorgelegt. Dieser Beschluss unterliegt dem obligatorischen Referendum, d.h. es findet anschliessend zwingend eine Urnenabstimmung statt. Bei einem positiven Entscheid wäre die Umsetzung 2008 und 2009 vorgesehen und der Start der neuen Gemeinde mit Beginn der Amtsperiode 2010 / 13.

